Talk Slalom

 

Carsten Klook & Tasche: Talk Slalom (CD)

Hörstücke, Gruenrekorder 039

Auf dem Album "Talk Slalom" wird den verschwommenen Grenzen zwischen Geräusch, free floating Rockmusik, Hörspiel und Textrezitation nachgespürt. Diese Elemente werden in unkonventioneller Form neu miteinander verbunden – vor allem in den Tracks 3 und 4.
Ausprobiert wurden Möglichkeiten des massiven Betextens von Musik, ohne daraus Hip-Hop werden zu lassen.

Der Text zu „n-tags“ wurde zuerst eingesprochen und aufgenommen, dann wurde dazu musikalisch improvisiert (und das gemeinsam und ohne Overdubs).
Ebenso war es beim Titel „am tisch“, der nachträglich mit einem akustischen Auswurf an „n-tags“ gekoppelt wurde. Das lappt dann bisweilen auch in eine Art Song. Bei „das schlafen“ und „manchmal kann ich alles sein“ wurde zuerst die improvisierte Musik in einem Take aufgenommen, danach die Stimme(n).
Das Instrumental „GT (Oblomow-Version)“ ist eine rein musikalische Erzählung. Eignet sich gut zur mentalen Ausfahrt im Zimmer.
Aufgenommen und abgemischt wurde übrigens in drei Tagen – mistakes all included.

Großkotzig könnte man sagen, das Album bewegt sich musikalisch zwischen Jim Morrisons „All American Prayer“, Charles Curtis´ „Volcanoes“-Album, Jazz- und Free Rock sowie Einflüssen im Stile von Bands wie „The Sea and Cake“. Vom Trashrock-Exkurs auf „manchmal kann ich alles sein“ einmal abgesehen (das Riff dieses Stücks stammt von The Can aus „Mother Sky“).
Textlich werden Elemente konventioneller als auch experimenteller Literatur sowie eine Kinder-Fabel für Erwachsene verarbeitet.
In „n-tags“ werden in einem stream of un/consciousness Bilder aus dem Außen mit Assoziationen überlagert. Das Ergebnis ist eine Collage, die keine Geschichte erzählt, sondern ein „Puzzle“ ergibt, „bei dem eine Lücke flirrend durchs Bild zieht“. Irritation durch Information statt gezieltes „Making up your mind“ ...

Die Texte werfen Fragen auf und verweigern sich den Antworten. Der Zuhörer wird auf sich selbst zurückgeworfen. Das darf als pädagogischer Affront gegen das Besserwissen in Meinungs- und Ideologie-verstrahlten Pop-Texten gewertet werden.

 

Mein englisches Info befindet sich hier.



Playlist:

1. das schlafen
2. „manchmal kann ich alles sein“
3. n-tags
4. am tisch
5. GT (oblomow-version)


Fiona McKenzie: Schlagzeug
Andreas Voss: Bass und Noises
Carsten Klook: Gitarren, Stimme, Texte

Anita Guthe: Passantin auf „n-tags“

Aufnahme und Mix: Andreas Fuderer at Bullerdeich Studios

Artwork & Coverfoto: armbrust design

Copyright 2006

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Review:
Gregor Kessler in der „Szene Hamburg“ 12/06
Rubrik: Hörspiel ­ Indie
Carsten Klook & Tasche Talk Slalom
Gruenrekorder


Musiker und Autor? Geht nicht zusammen, wenn man nicht gerade Robert Zimmermann heißt. 98% aller Songtexte scheinen das zu bestätigen. Carsten Klook, der sich schon ein paar Jahrzehnte durchs Hamburger Musik- und Schreiberleben schlägt, hat sich dennoch an der Vereinigung versucht. Herausgekommen ist etwas, das zwischen Hörspiel, Hippie- und Indierock baumelt. Text und Musik laufen parallel, auf der einen Seite jammed die Band sich durch Acid-Rock-Improvisationen, die auch mal lärmen dürfen, auf der anderen Seite spricht Klook seine alltagsbeobachtenden Texte ein. Eine sehr biografische Platte für jemand, der gleichermaßen von Jefferson Airplane, Sonic Youth und Arno Schmidt geprägt wurde.


Carsten Klook bei Gruenrekorder